Ein Tag in der Cella
Der Rhythmus der Liturgie bestimmt unseren ganzen Tag
Ein Tag in der Cella Benedictina
Der ganze Tag der Söhne des Heiligen Benedikt wird durch den Rhythmus der Liturgie geregelt. Die einzelnen Gebetszeiten geben allen anderen Aktivitäten die zeitliche Ordnung.
Vigil
Das erste Gebetszeit ist die Vigil, die in der Nacht zum Himmel steigt, wenn alle schlafen. Deren Sinn erklärt Psalmen 70, wo es heisst: «Um Mitternacht stehe ich auf, um dich zu preisen.»
Die Vigil besteht aus einem Hymnus und vierzehn Psalmen. Je nach Festtagen lesen wir zwei, vier oder zwölf Lesungen. Sie dauert zwischen 60 bis 90 Minuten.
Lectio Divina
Im Warten auf das erste Licht des Tages widmen wir uns dem Lesen der Heiligen Schrift und der Kirchenväter. Diese Lektüre ist sehr wichtig. Wir suchen dabei nicht die weltliche Gelehrsamkeit. Was wir lesen, dient der Betrachtung und der geistlichen Entwicklung.
Matutin
Zur Zeit des Sonnenaufgangs wird die Matutin gesungen. Die aufgehende Sonne ist ein Symbol für Christus. Ihn preisen wir mit den Worten: „Licht vom Licht und Quelle allen Lichts, Tag, der den Tag erhellt".
Angelus & Prim
An die Matutin angeschlossen ist die Mediation, die um 7.00 Uhr mit dem Angelus und der Prim endet. Die ersten 4½ Stunden des Tages sind somit dem Gebet und der Stille gewidmet.
Arbeit
Nach der Prim werden die ersten Arbeiten erledigt: Studium, Gesangsproben für Officium und Messe, das Einüben liturgischer Handlungen und der Empfang von Menschen, die um Rat fragen.
Das Herstellen unseres Mitteilungsblattes «Benediktus» und die Produktion von Kleinigkeiten für den Verkauf gehört zu unserem Alltag.
Terz & Heilige Messe
Um 9.00 Uhr singen wir die Terz, an die sich die Messe anschliesst, wenn ein Priester im Haus ist. Ansonsten besuchen wir das heilige Messeopfer in der Umgebung.
Sext
Um 12.00 Uhr beten wir die Sext mit einer Betrachtung über den vergangenen Vormittag. Alles was an Verfehlungen vorgekommen ist, wird der Barmherzigkeit Gottes anvertraut.
Von Ostern bis zum Fest des Hl. Erzengel Michael halten wir dann die erste Mahlzeit. Ansonsten fasten wir weiter und beten gemeinsam den Rosenkranz.
Non
Mitten am Nachmittag beten wir die Non, an die eine Mahlzeit folgt, wenn wir am Mittag gefastet haben. Dann wird die Arbeit wieder aufgenommen.
Vesper & Salve Regina
In der Vesper preisen wir Gott mit vier Psalmen, einem Hymnus und dem Magnificat für den vollbrachten Tag. Abgeschlossen wird die Vesper stets vor unserem Gnadenbild mit dem feierlichen Salve Regina.
Rosenkranz, Abendessen & Kapitel
Wenn am Mittag gegessen wurde, beten wir nun den Rosenkranz. Das anschliessende Abendessen ist in der Fastenzeit die erste und einzige Speise.
Im Anschluss gibt es freie Zeit, die durch das gemeinsame Abendkapitel beendet wird.
Komplet & Nachtruhe
Die Komplet, die auswendig in der dunklen Kapelle gebetet wird, schliesst unseren Tag ab. So sind wir frei um 20.00 Uhr uns zur Ruhe zu legen.
Der ganze Tag ist Gott geweiht und dreht sich um den Gottesdienst. Wenn es nicht nötig ist zu sprechen, wird über den ganzen Tag hindurch geschwiegen, um stets gesammelt zu bleiben und das Herz rein zu bewahren.
Selbst das Essen ist für uns kein weltlicher Akt, sondern ist durch Gebete, Schweigen und Lesung geheiligt.
Aufgrund der viel längeren Gebetszeiten und einer Lebensform, die nichts mit einem Hotelbetrieb zu tun hat, unterscheidet sich unser Alltag wesentlich von den Gebräuchen in einem Benediktinerkloster.
„Nihil operi Dei praeponatur"
— Dem Gottesdienst soll nichts vorgezogen werden
Regula Benedicti, Kapitel 43